Die Hallertau: wo der Hopfen zu Hause ist

Die Hallertau: wo der Hopfen zu Hause ist

Bei der Hallertau handelt es sich um eine Kulturlandschaft im Herzen Bayerns, die den Besucher nicht nur durch die einzigartige Landschaft und regionale Spezialitäten verzaubert. Bierfreunde kennen die Hallertau noch aus einem anderen Grund: Diese Landschaft, die sich über eine Fläche von mehr als 2.400 Quadratkilometern erstreckt, ist nämlich auch das weltweit größte, zusammenhängende Anbaugebiet für Hopfen. Etwa 86 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Hopfens werden in der Hallertau gewonnen, der Anteil am Weltmarkt von Hopfen aus der Hallertau liegt bei etwa 34 Prozent.

Ihren Namen trägt die Hallertau übrigens bereits seit dem 14. Jahrhundert, wobei der Ursprung bis heute nicht geklärt ist. Am wahrscheinlichsten gilt die These, dass der Name aus der althochdeutschen Bezeichnung für einen wilden Urwald herrührt.

Der Hopfen und die Hallertau: eine Kulturpflanze mit Tradition

Die Kulturpflanze Hopfen wird in der Hallertau schon seit Jahrhunderten angebaut. Belegt ist der Anbau etwa in den bei Nandlstadt gelegenen Orten Gründl und Geisenfeld bis in 8. nachchristliche Jahrhundert. Den ersten Hopfengarten sollen der Legende nach Slawen, die im Krieg gefangen genommen worden waren, angelegt haben. Jedoch spielte die Hallertau lange Zeit keine maßgebliche Rolle für den Hopfenanbau: Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde Hopfen vor allem rund um Nürnberg angebaut. Seinen großen Aufschwung erlebte der Hopfenanbau erst im Zuge der Bauernbefreiung ab dem Jahr 1848. Zum größten Anbaugebiet Deutschlands wurde die Hallertau schließlich 1912.

Damit die Ernte haltbarer wurde, wurden die Dolden aufgeschichtet und luftgetrocknet. Um die Trocknung effizienter zu machen, entwickelt der Zimmerer Max Eder aus Wolnzach im ausgehenden 19. Jahrhundert eine zweistöckige Darre. An deren unteren Ende befand sich ein Ofen, durch welchen eine Heizspirale zur Trocknung der Dolden erwärmt wurde.

Doch die Rationalisierung des Hopfenanbaus schritt noch weiter voran. So wurden die Pflanzen beispielsweise bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lediglich an einer Holzstange, die als Kletterhilfe diente, befestigt. Drahtgerüstsysteme, wie man sie heute kennt, wurden erst zu Beginn des Ersten Weltkrieges verwendet.

Die Hallertau: ein Wirtschaftsfaktor

Bei der Ernte müssen die Dolden von den Reben des Hopfens abgelöst werden, was über Jahrhunderte hinweg von Handarbeit erledigt wurden. Während der Erntezeit verdingten sich auf diese Weise alljährlich bis zu 200.000 sogenannte „Hopfenzupfer“, die aus strukturschwachen Regionen des Freistaates, etwa aus der Oberpfalz oder aus dem Bayerischen Wald, anreisten. Mechanische Pflückmaschinen kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg zum Einsatz, als im Zuge des Wirtschaftswunders menschliche Arbeitskräfte für diese Arbeit nur noch schwer zu finden waren. Es sollte allerdings bis zum Ende der 1960er Jahre dauern, bis die Hopfenernte komplett maschinell erledigt wurde.

So hat sich das Hopfenanbaugebiet Hallertau entwickelt

Größtenteils befindet sich das Hopfenanbaugebiet auf dem Territorium der Landkreise Pfaffenhofen, Kelheim, Freising und Landshut, die sich 2005 zur Arbeitsgemeinschaft „Hopfenland Hallertau“ zusammengeschlossen haben, um den Tourismus zu fördern. Ein geringer Teil der Anbaufläche befindet sich in den Landkreisen Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen sowie in der Stadt Hersbruck.

Seit Anfang der 1990er Jahre geht aber sowohl die bewirtschaftete Fläche als auch die Zahl der Pflanzerbetriebe zurück. Der Grund dafür liegt darin, dass der Preis, der für Hopfen auf dem Weltmarkt erzielt wird, gesunken ist, worunter auch die Rentabilität der Betriebe leidet. So sank die Zahl der Hopfenproduzierenden Betriebe zwischen 1950 und 2016 von rund 15.000 auf weniger als 1.000.

Kulinarische Genüsse in der Hallertau erleben

Genießer schätzen einen Aufenthalt in der Hallertau vor allem im Frühling zur Spargelzeit. Denn vereinzelt wird in der Hallertau auch Spargel angebaut. Als Hochburgen des Spargelanbaus gelten die Orte Pörnbach, Schrobenhausen und vor allem Abensberg. Aber auch der Hopfen lässt sich in leckere Gerichte verwandelt, beispielsweise in Form von Hopfenspargel. Dabei handelt es sich um die unter der Erde liegenden Wurzeltriebe des Hopfens. Damit der Hopfen besser und kraftvoller wächst, werden von den Pflanzen bis auf drei Haupttriebe alle weiteren Triebe entfernt. Diese Hopfensprossen, die einst für einfache Mahlzeiten verwendet wurde, gelten heute als ganz besondere Delikatesse, die in der Region gern als Beilage für verschiedene Spargelgerichte gereicht wird.

Sehenswertes in der Hallertau

Neben kulinarischen Genüssen erwarten den Besucher in der Hallertau auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Als Absolutes Highlight gilt das Kloster Scheyern, welches sich aus der Stammburg der Grafen von Scheyern entwickelt hat. Gegründet wurde das Kloster, welches heute eine Beneditkinerabtei ist, im ausgehenden elften Jahrhundert, als diese oberbayerische Region gerodet und besiedelt wurde.

Im Kloster Scheyern befindet sich seit 1180 eine Reliquie des Heiligen Kreuzes, das sogenannte Scheyrer Kreuz. Dieses Kreuzpartikel war während des 12. Jahrhunderts nach Europa geschickt worden, weil man sich damit erhoffte, Almosen zu sammeln, um die heiligen Stätten in Jerusalem zu erhalten. Schließlich gelangen die Dachauer Grafen in den Besitz der Reliquie, welche diese schließlich nach Scheyern brachten, wo es als Heiligtum verehrt wird.

Als besonders sehenswert gilt außerdem die Altstadt von Abensberg, die sich ihren mittelalterlichen Charakter nahezu unversehrt erhalten hat. Ein Besuch in Abensberg lohnt sich vor allem Ende September, wenn dort mit dem Gillamoos das drittgrößte Volksfest in Bayern stattfindet. Die Tradition dieses Volksfestes, welches eng mit der Ägidius-Wallfahrt zusammenhängt, reicht bis ins beginnende 14. Jahrhundert zurück. Weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist der Gillamoos für den politischen Frühschoppen, der am Gillamoos-Montag stattfindet und bei dem mit schöner Regelmäßigkeit hochkarätige Politiker von insgesamt fünf Parteien am Rednerpult stehen.

Biergeschichte hautnah erleben im Kloster Weltenburg

Ganz in der Nähe von Abensberg befindet sich übrigens auch das Kloster Weltenburg, welches Bayerns älteste Klosterbrauerei beherbergt. Gegründet wurde das Kloster, welches sich an einer der wichtigsten römischen Militär- und Grenzstraßen nördlich der Alpen befand, vermutlich im Lauf des siebten nachchristlichen Jahrhunderts.

Bekannt ist das Kloster Weltenburg in erster Linie für die Klosterkirche St. Georg, die als einer der wichtigsten barocken Sakralbauten aus der Zeit des Barock in ganz Europa gilt. Nachdem die Kirche zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut worden war, wurde sie von den Gebrüdern Asam ausgestattet.

Mit dem Slogan „Älteste Klosterbrauerei der Welt“ wirbt die Regensburger Bischofshof-Brauerei, weil belegt ist, dass von den Mönchen in Weltenburg bereits um 1050 Bier gebraut wurde. Den Gerstensaft aus der eigenen Produktion können die Besucher im Klosterhof genießen, der zu einem Biergarten umgebaut wurde. Des weiteren haben die Gäste an den Wochenenden die Gelegenheit, an einer Brauereiführung teilzunehmen.

Sehenswert: Das Deutsche Hopfenmuseum

Wer sich für die Geschichte des Hopfenanbaus in der Region interessiert, sollte sich einen Besuch im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach nicht entgehen lassen. Dort erwartet die Besucher auf einer Fläche von etwa 1.000 Quadratmetern anhand von schriftlichen Dokumenten, Bildern, Geräte und Werkzeugen eine Zeitreise  durch die Geschichte des Hopfenanbaus bis zurück ins 16. Jahrhundert machen.

Brauchtum aus dem Hopfenland

Die klassische Hallertauer Tracht lässt sich mindestens bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen, als sie erstmals beschrieben wurde. So tragen die Männer traditionell eine schwarze Woll- oder Leinenhose in Kombination mit blauen Strümpfen, einer roten Weste und einem blauen oder schwarzen Mantel. Charakteristisch für die Halltertauer Tracht sind neben den Faltenstiefeln auch die großen Silberknöpfe, die an die Kleidung genäht sind. Die typische Tracht für Frauen besteht aus engen Miedern und gepolsterten Röcken. Dazu tragen die Frauen traditionell eine kurze Jacke. Während verheiratete Frauen zur Tracht eine Otter-Mütze trugen, bedeckten unverheiratete Frauen ihren Kopf mit blauen Stoffhauben.

Die Festen in der Hallertau

Fast in jeder Gemeinde in der Hallertau wird alljährlich ein Volksfest veranstaltet. Zu dem bekanntesten Festen gehören neben dem Gillamoos in Abensberg auch der Gallimarkt in Mainburg sowie der Albiganer Markt in Sankt Alban. Dieser Ort war einst eine Durchgangsstation für die Wallfahrten nach Moosburg oder Altötting.

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